Corona : Alle rücken zusammen
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Alle rücken zusammen

Ganz Europa ist im Krisenmodus. Während viele Branchen mit Auftragseinbußen in katastrophalem Ausmaß zu kämpfen haben, kommen andere Branchen mit der Arbeit kaum hinterher. Das einzig Gewisse an der Corona-Krise ist die Ungewissheit. Der Ansturm auf die Soforthilfe-Programme der Bundesregierung und auf das Kurzarbeiter- Geld sprechen eine deutliche Sprache.

Ein Sprichwort sagt: Not macht erfinderisch.Das ist auch in der Corona-Krise nicht anders. Viele Unternehmen der Verpackungswirtschaft nähen mittlerweile Atemschutzmasken oder stellen ihre Bestände an Schutzausrüstungen für Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen zur Verfügung. Denn dort ist der Mangel immer noch besonders groß.

Die Solidarität im Kampf um das Virus geht weit über unsere Grenzen hinweg. Sidel hat kurzerhand sein internationales Kompetenzzentrum für die Entwicklung von PET-Verpackungen in ein Produktionszentrum verwandelt und eine Fertigung von Flaschen für hydroalkoholisches Gel gestartet. Mitte März ging eine erste Anfrage nach kleinen Behältern für die Verpackung von hydroalkoholischem Gel vom Krankenhaus Dijon ein. Das Unternehmen reagierte schnell und fand die richtigen Rohstoffe und Kooperationspartner für die Produktion der Flaschen – sie werden mit einer bereits vorhandenen 500-ml-Blasform von Sidel hergestellt. Die Preformen stammten von einem wichtigen Akteur aus der Getränkebranche, während die Sportverschlüsse von einem Verschlusshersteller geliefert wurden. Mit dem Sportverschluss kann der Fluss des Gels kontrolliert und das Gel sicher aufbewahrt werden.

Auch der deutsche Mittelstand engagiert sich in Corona-Zeiten dafür, die Versorgung mit essenziellen Gütern schnell und unbürokratisch zu sichern. Ein gutes Beispiel dafür liefern drei inhabergeführte Verpackungsspezialisten: die Horna GmbH aus Grafenrheinfeld, die Wetropa Group aus Mörfelden-Walldorf und die Schumacher Packaging Gruppe aus Ebersdorf. Gemeinsam sorgen die drei Partner derzeit dafür, dass der drastisch gestiegene Verpackungsbedarf für medizintechnische Produkte innerhalb kürzester Zeit erfüllt werden kann. Horna ist ein technischer Großhändler für Verpackungsprodukte. Als ein deutscher Hersteller von Beatmungsgeräten an Geschäftsführer Thomas Horna die Anfrage richtete, ob er schnell Verpackungen für mehrere Tausend Geräteliefern könne – früher entsprach dies der gesamten Jahresproduktion –, setzte der Großhändler alle Hebel in Bewegung.

„Unser Partner Schumacher Packaging hat sofort reagiert, die benötigten Faltkartons mit Vorrang produziert und sie binnen zwei Tagen an den Hersteller geliefert“, berichtet Horna. Gerade im deutschen Mittelstand gebe es viele inhabergeführte Unternehmen mit kurzen Entscheidungswegen. Björn Schumacher, Geschäftsführer der Schumacher Packaging Gruppe: „Darum können wir jetzt in der Krise sehr schnell agieren, um die essenziellen Lieferketten zu stärken. Wir alle unterstützen uns gegenseitig ohne Wenn und Aber.“ Auch Dirk Breitkreuz, CEO der inhabergeführten Wetropa Group, unterstreicht die besondere Lösungskompetenz und Agilität der mittelständischen Betriebe in Deutschland:
„Die Medizintechnik war für uns schon immer eine besondere Herausforderung. Daher haben wir schon sehr früh unseren Schwerpunkt auf diese Branche gerichtet, mit individuellen Konstruktiv- Verpackungen, schneller Entwicklung und Präzision in der Herstellung. Davon profitieren in der aktuellen Situation neben den Medizintechnik-Produzenten vor allem die Patienten, die auf diese Geräte angewiesen sind.“ Auch im Westerwald sind ehemals selbstverständliche Medizinartikel plötzlich Mangelware. So benötigen Mitarbeiter in Heil- und Pflegeberufen für ihre Tätigkeit dringend Schutzausrüstungen wie Atemschutzmasken und Gesichtsvisiere. Um hier schnell Abhilfe zu schaffen, entwickelte und fertigt Schütz am Stammsitz in Selters Gesichtsvisiere und versorgt damit bereits umliegende Einrichtungen. In einer ersten Hilfsaktion konnte Schütz innerhalb kürzester Zeit lokale Krankenhäuser, Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Hebammen mit tausenden Gesichtsvisieren kostenfrei versorgen Als Feedback auf dieses Hilfspaket meldeten sich zahlreiche weitere Krankenhäuser und Pflegeheime, die ihre großen Bedarfe an Gesichtsvisieren nicht decken können. Um dem schnell entgegenzukommen und die Kapazitäten entsprechend zu steigern, wurden sofort größere Mengen an Materialien für diese Sonderproduktion bezogen.
Damit ist das Unternehmen nun in der Lage, die Gesichtsvisiere als Komplettsatz zur Selbstmontage in noch höheren Stückzahlen zu Selbstkosten anzubieten. Umliegende Einrichtungen können die Visiere direkt von Schütz beziehen. „Wir freuen uns, mit dieser Maßnahme einen Beitrag zum Schutz unserer und des Pflegepersonals leisten zu können, die in diesen Zeiten außerordentlich gefordert sind“, so Melanie Ievolo, Manager Advertising & PR bei Schütz. Mit der Corona-Krise bekommt die Digitalisierung einen völlig neuen Stellenwert.
Aktuell zeigt sich mehr denn je, welche Chancen die digitale Vernetzung bietet. So geht Romaco neue Wege bei der Werksabnahme seiner Anlagen. Die erste Blistermaschine für einen südchinesischen Pharmahersteller hat das virtuelle FAT im Livestream erfolgreich bestanden. Angesichts der geltenden Reisebeschränkungen aufgrund der Covid-19-Pandemie organisiert Romaco sein Tagesgeschäft nun im virtuellen Raum. Da die Kunden des Pharmamaschinenherstellers derzeit zu den Werksabnahmen ihres neuen Equipments nicht persönlich anreisen dürfen, führt Romaco die FATs stattdessen im Livestream oder als Video FAT durch. Das erste Livestream-FAT einer Noack Blistermaschine wurde bereits erfolgreich am Produktionsstandort in Karlsruhe absolviert. Die Anlage für einen südchinesischen Pharmahersteller kann nun planmäßig ausgeliefert und in Betrieb genommen werden. Außer dass der Kunde physisch nicht anwesend war, hat sich nichts am Ablauf des virtuellen FATs geändert. Entsprechend des FAT-Protokolls wurden alle produktions- und sicherheitsrelevanten Tests an der Maschine durchgeführt und dabei live gestreamt. Digitalisierung sei Dank.

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